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Breminale 2010

Oh Schreck, die Breminale bekommt einen Zaun! Hieß es in diesem Jahr. Was? das Kulturfestival am Osterdeich, das die Jahre davor immer "umsonst und draußen" war? Keine Panik. Schnell gab es Entwarnung: Der Zaun ging nicht außen drum herum – sondern nur einmal mitten durchs Festivalgelände. Es blieb also auch im Jahr 2010 dabei: Kultur für alle wollen wir nicht mit einem komplexen System von Eintrittskarten, Vorverkauf und Kontrolle verkomplizieren. Wer die Breminale, ihre Ideen und Künstler dennoch auch finanziell unterstützen konnte und wollte, konnte dies trotzdem tun: Jeder Euro macht das Weserfestival sicherer – und wenn er vom Publikum direkt kommt, wiegt er besonders schwer. Am neuen „Zaun“ hatten die Besucher in diesem Jahr erstmalig die Gelegenheit, Breminale-Devotionalien mit der 2010er Stadtmusikanten-Edition zu erwerben, mit uns über die Breminale 2011 und deren Programm und dessen Finanzierung zu visionieren – oder einfach etwas zu spenden. Jeder Besucher konnte der neuen "Spendenzaun" aber auch ganz unbehelligt passieren und dabei vielleicht ein Minütchen über den Wert von Musik, Theater, Literatur und Medien in unserer Stadt am Fluss sinnieren oder plaudern. Wem das alles nicht passte, der musste einmal auf den Deich und wieder runter.

Und was war so los bei der 22. BREMINALE?Rasante und ruhige Töne auf den Bühnen. Freiluftutopien, Volks-und Weltmusik der nächsten Art, Pop-Perlen, Rockmonster, Indie-Hits und House-Hymnen das boten Bands wie Virgnia Jetzt!, Hundreds, Barbara Morgenstern, Mad Monks, Herrenmagazin, The Koletzkis, Fucking in Champagne, Stereo Total und Ohrbooten, Singer Songwriter wie Enno Bunger, Tom Lüneburger, Bernd Begemann auf den Bühnen. Zu den künstlerischen Höhepunkten und Geheimtips zählten außerdem das Südtiroler Gesangstrio Ganes und die Ska-Band Abuela Coca aus Uruguay. Die Besucher konnten aber auch wieder viele interessante Newcomer entdecken, wie zum Beispiel die Bremer Dad Horse Experience in der außergewöhnlichen Baltic row tower-Bühne oder die Oldenburger Ska-Reaggae-Combo Skalinka.

Musiktheatralisches, Kurzfilmkust, Textarbeit, Pop, Jazz und Elektronisches präsentierte die Schwankhalle im DeDrohme auf der BREMINALE. Ein Super-8-Abend mit Gästen und Livemusik und Sonntagsjazz mit Montuno und Shakespeare against the machines bereicherten das vielfältige Programm der Festivals. So mancher Besucher musste zweimal hinschauen und sich verwundert freuen über die verrückt-besondere Idee der interaktiven Hairdressing Performance mit elektronischen DJ-Klängen oder den chinesischen Bootsverleih, der zu Blumen-, Sommerwiesen- und Loveboat-Verlobungsfahrten einlud. Die Feuershow mit Jonglage von Flambal Olek tauchte das Kulturfestival ab Sonnenuntergang mit ihrem flammenden Varieté aus Feuerkunst, Tanz-Theater, Feuerspucken und Jonglage in ganz neues Licht. Freunde von britischem Humor und Slapstick a la Mr. Bean freuten sich über das blitzschnelle Kabarett Phänomen Mr. Diagonal und das Black Light Orchestra. Gleich beim Hal-Över-Anleger gastierte der Circo Paniko aus Italien, gegründet von Zirkusartisten und Musikern, die Zirkusshows zu gesellschaftlichen Themen produzieren.  Wer einen den beliebten Plätze im Zirkuszelt ergatterte, konnte sich glücklich schätzen und ein bisschen etwas von der Kraft und Kreativität aus dem Zirkusfest und der fast intimen, familiären Atmosphäre des kleinen Zeltes mitnehmen. Präsentiert wurde der Zirkus vom Weser-Kurier.

Die Bilanz der Breminale 2010 fällt rundum positiv aus. Die sehr hohen Besucherzahlen des vergangenen Jahres sind zwar nicht ganz erreicht worden. Einer der Gründe: Es war phasenweise zu heiß. Dass das eines Tages ein Problem werden könnte – vor Jahren noch hätte das niemand für möglich gehalten. Schließlich hatte das Musik- und Kulturfest am Osterdeich immer wieder mit Dauerregen und Weser-Hochwasser zu kämpfen. Doch nach der Wiederauferstehung im Jahr 2008 – ein Jahr vorher musste das Festival am Osterdeich ausfallen, nachdem sich die Stadt aus der Finanzierung zurückgezogen hatte – erlebt die Breminale mit ihrem erweiterten Programm einen Höhenflug. Der Besucher-Andrang ist groß, die Spendenbereitschaft ist dieses Jahr wieder gestiegen. Etwa 16000 Euro sind an freiwilligen Gaben zusammengekommen.  Für gähnende Leere sorgte nur der WM-Knüller Deutschland gegen Argentinien am Sonnabend. Eine derartige Flaute gab es in all den Jahren seit 1987, der Breminale- Premiere, nicht.